Kategorie-Archiv: Storys

150.000.000 neue Fans

(gewidmet dem Song „Wherever I May Roam“ von Metallica)

Freitag, 16. März 4491

Der Empfänger liegt unter schwarzem Seidentuch, das an einer stählernen Bahre herunterhängt. Er bewegt sich nicht, aber es wird keine drei Minuten dauern, dann durchfahren ihn die Stromstöße und er wird zucken, zucken und nochmals zucken. Wenn er ausgezuckt hat, wird der Supervisor hereinkommen, das Tuch wegnehmen und Mr. H. mit freundlichem Gesichtsausdruck in seinem neuen Körper begrüßen. Wer das ist, dieser H.? Nun, viele von euch kennen sein Gesicht, er war vor zweieinhalb Jahrtausenden ziemlich erfolgreich als Sänger einer Heavy-Metal-Band, geriet zwischenzeitlich etwas in Vergessenheit, hat nun aber wieder eine große Fangemeinde. Millionen von Musikliebhabern auf der ganzen Welt warten auf seine fünfte Hirnweihe, seine xte Wiederauferstehung und natürlich auf das erste Livekonzert nach dem Verlust seines Vorgängers – dieser hatte wie alle anderen Gehirnkopien vor ihm irgendwann die Schnauze voll vom Business und ist dann von den Stadionbühnen wie auch von der Bühne des Lebens verschwunden, puff – weg. Man munkelt, dass er irgendwo als Teilzeitclochard herumstreift und mit pubertären Vögeln in endlosen Pfeifkonzerten dahindebattiert …

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Die Invasion der Sprachen

Als Frank um 10:23 Uhr Radiowecker-Zeit die Augen aufschlug, spürte er die hinter ihm liegende Nacht in allen Knochen. Seine Arme waren taub und schmerzten, als er sie wieder rühren konnte. Aus seinem Mund roch es nach Kneipe. Dann registrierten seine etwas weniger beschädigten Gehirnzellen, warum die letzte Nacht so hart und unbequem gewesen war, und jeder, der schon einmal in stabiler Seitenlage auf doppelt gebrannten Fliesen in einem unbeheizten Flur mitten im Winter aufgewacht ist, sollte Franks exklusiv für diese Story gedachte Gedanken verstehen können.

Schlimmer kann ein Arbeitstag nicht beginnen.

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Der Entwicklungsplanet

 

 

Ich weiß, was sie wissen.

 

Sie wissen nicht, dass ich weiß was sie wissen.

 

Und er weiß, was ich wissen will.

 

Ich gehe aus seiner Nähe, folge den Spuren unseres letzten Laserkampfes in Richtung der großen Hügel. Ich vermeide es sie Berge zu nennen, es sind mehr Buckel auf dem Rücken der Landschaft. Eine karge Steppen- und Wüstenlandschaft, nur spärlich bewachsen mit kakteenartigen Gewächsen und sonnenresistenten Sträuchern hie und da, bevölkert von Insekten, Spinnen, Skorpionen, Fertawhas – riesigen Sechsfüßern, die sich vor allem verstecken, was hier in letzter Zeit so passiert ist. Die Ferthawas sind womöglich die einzigen von diesem Planeten stammenden Lebewesen, die meisten anderen haben unsere Entwickler von SecondEarth importiert, dem Zwillingsplaneten der guten alten Erde, die sich viele Lichtjahre entfernt befindet und vom hiesigen Krieg vielleicht noch überhaupt nichts weiß. Die Machthaber von SecondEarth warten jedenfalls schon Jahrhunderte darauf, dass in diesem Teil der Milchstraße endlich wieder Frieden herrscht – aber wer kennt schon die Pläne der Regierung? Wir Androiden bestimmt nicht! Schon dass die fremden Tiere hierher importiert wurden, ist ein Kriegsgeheimnis unserer Regierung, das nur die hier kämpfenden und lebenden Menschenähnlichen kennen. Es handelt sich dabei größtenteils um giftspritzende, höchst aggressive Tiere, die darauf trainiert werden, alle Zweibeiner zu attackieren, die keine oder nur wenig Wärme ausstrahlen, also uns; Fertawhas und Menschen haben zumeist ihre Ruhe vor ihnen. Es geht darum, unsere Aufmerksamkeit zu trainieren. Der Entwicklungsplanet, auf dem wir hergestellt werden, soll nämlich schwierigste Kampfbedingungen bieten für die neuesten Modelle. Das gentechnisch manipulierte, mit Nanorobotern durchsetzte Gift dieser Wüstentiere zersetzt unsere Relais und Prozessoren in Nullkommanichts, ganz zu schweigen von den Folgen der unerbittlichen Hitze, die ganz schön an die metallene Substanz geht. Hier überleben nur die Zähesten und Besten! Der Entwicklungsplanet weiterlesen

Up

 

Ah … die Planets. Der Spaß kann losgehen. Die Senso-Schaltung blinkt auf – viel zu hohe Geschwindigkeit zeigt sie an, und: ich darf nicht im ersten Gang mit dreihundert fliegen. Nein, ich darf nicht – aber ich kann. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Besonders, wenn man up ist. Gutes Zeug. Macht dich schneller, und gescheiter. Dreihundertfünfzig. Gleich explodiert der Motor. Okay, okay. Soviel Verstand besitze ich ja wohl noch, dass ich weiß, wann’s genug ist. Bloß keine Panik. Zweiter Gang. Immer noch lautes Dröhnen, aber längst nicht mehr so gefährlich. Irgendwo wird aufgeatmet. Als ob alle Shuttles um mich herum aufatmen. Weichei.

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