Sei doch froh!

Die heutige Welt ist eine Selbstdarstellungswelt. Natürlich marketingtechnisch hochprofessionell und postfaktisch designed. Es kommt also nicht mehr darauf an, was du kannst, nur noch darauf, wie du es darstellst. Deshalb sollte man froh sein, wenn andere einen nicht mögen – ist es doch ein klarer Beleg dafür, dass man was kann. In einer Welt, in der Können und Wissen nichts mehr zählen,  erreicht man sein Ziel nämlich auf die eine oder andere postfaktische Weise – und darf froh sein. Hier ein paar Beispiele:

Sei froh, wenn du etwas gepostet hast, das alle disliken. Es zeigt doch nur, dass du mehr weißt als sie.

Sei froh, wenn du etwas geschrieben hast, das niemand lesen will und alle boykottieren. Das ist ein klarer Beweis dafür, dass die Wahrheit nicht ans Licht soll, dass du also ausnahmsweise mal das Richtige geschrieben hast (nicht den üblichen, Schriftstellerlehrbuch durchsiebten Mist, den man heutzutage überall zu sehen bekommt)!

Sei froh, wenn du einen Song veröffentlicht hast, den niemand hören will. Nach deinem Tod kommt er garantiert in die Charts!

Sei froh, wenn du ein einsames, ausgegrenztes Leben führst. DU bist das Licht der Welt! Alle anderen wandeln in dir, um dich herum, nur niemals in deine Nähe, wo es viel zu grell für Normalsterbliche ist.

Du siehst, es ist gar nicht so schlimm, wenn die Welt einen nicht mag … solange man nachvollziehbare Gründe hat, sich selbst das Gegenteil zu beweisen. Das ist ein bisschen wie Schminken. Und mal ehrlich: wer will schon intellektuell ungeschminkt sein!

In diesem Sinne schreibt, singt weiter! Irgendwann wird euch wieder jemand liken!