Leviathan oder die Doppelzüngigkeit des Geistes

Betrachtet man die verschiedenen politikwissenschaftlichen Diskussionen, die derzeit international geführt werden, fällt vor allem auf, dass die einzelnen Lager Meinungen vertreten, von denen sie sich eher nicht vorstellen können, diese in die Realität zu implementieren.

So wird vom Leviathan in Manifestation östlicher Nationalstaaten gesprochen, vom Gegenmodell der Gewaltenteilung innerhalb der tapferen  EU, vom Scheitern der USA und vom Chaos, das es zu bändigen gälte, ja von einer Aufweichung demokratischer Grundprinzipien durch (süd)osteuropäische Oligarchien, Autokratien und …

Mon dieu, Montesquieu!

Natürlich bin ich wie viele andere nur Schaulustiger in diesem hochgeistigen Kampf der Wörter und Ideologien, welche ja immer nur diejenigen betreffen, die sie gerade aussprechen. Dem Großteil des – leider nur – indirekt angesprochenen „Volkes“ sind solche Ideen nämlich gänzlich fremd, er kümmert sich lieber darum, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen und verlässt sich auf die hohen Damen und Herren, die mit ihrer Entscheidungsfindung wohl schon  irgendwie, irgendwann einen Strom versorgen würden, in welchem sich jeder noch so kleine Fisch wohl fühlt.

Pure Anmaßung!

Denn dass dieser Strom einmal zum Maelstrom werden könnte, interessiert auch die intellektuellen Wortführer nicht. Für sie gilt wie für alle anderen auch: So lange die Menschen nicht am eigenen Leib erfahren, was es heißt, nicht mehr geschützt, umsorgt zu werden, so lange sind ihre Reden nur Hüllen und ihre Geistessprünge – seien sie noch so hoch – ein bloßer Tanz ums schön verhüllte Nichts. Wenn Mutti sozusagen dem Sandkasten den Rücken zukehrt und lieber mit den Kapitalisten spielt, dann hat uns die Realität eingeholt.

Im Ernst: Der Begriff Leviathan, der von Hobbes und vielen anderen in diesem Zusammenhang verwendet wird, stammt aus der Bibel und meint ein wildes Tier, einen Drachen, der aus dem Abgrund hervor steigt. Betrachtet man Chinas langen „Schlaf“, so könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, hier käme ein System aus dem „Abgrund“ gekrochen, das uns allen an die Gurgel bzw. mit Doppelzüngigkeit hinters Licht führen will. Aber wenn man ehrlich ist (und die meisten sind dies zum Glück – haha), muss man zugeben, dass dieser von der Gewaltenteilung ungebändigte Leviathan es gar nicht so schlecht anstellt. Also, wenn ich von einem politischen Monster verführt werden wollen würde, dann sähe es so oder so ähnlich aus (abgesehen davon, dass mir diese seltsame Sprache so gar nicht ins linguistische Bewusstsein dringen möchte). Man beachte die immanente Überspitzung im vorhergehenden Satz!

Wie also sollten die westlichen Mächte mit diesem neuen Player umgehen, damit es nicht zu weiteren „Clashes of Civilizations“ kommt (ich erinnere nur an Jugoslawien, Tschetschenien, die Ukraine und könnte noch so viele weitere Manifestationen aufzählen)?

Nun, da Jesus wohl kaum vom Himmel geritten kommt, um diesen großen, bösen Drachen zu bändigen (war da nicht gerade ein UFO?), werden in Zukunft wohl Vermeidungsstrategen gefragt sein, jawohl, ein ganz neuer Berufsstand: Wer soll denn sonst die mannigfaltigen sozialen und monetären Interessenskonflikte vermeiden, die unrealistischen Territorialansprüche, die Informationsfreiheit … Moment, die muss man verteidigen. Genau.

Bitte beachten, liebes „Volk“: Bevor wir nämlich zu viel zulassen, sollten wir uns erst einmal überlegen, wie und was wir vermeiden wollen und können, damit es am Ende nicht zu jener von allen einfachen Leuten gleichsam erhofften wie gefürchteten Apokalypse kommt, bei der niemand gewinnen würde außer die großartigen, majestätischen Erschaffer und Vernichter, die Götter des Sonnensystems, im Klartext: der humanoide Größenwahn!

In Zukunft wird es auch von entscheidender Bedeutung sein, welche Macht wir unseren (sozialen und monetären) Herrschern verleihen, inwieweit wir uns zu Entwicklungen verhalten, die nicht nur uns betreffen, also auch mal Kosten veranschlagen und gemeinsam woanders eingreifen wenn nötig, und vor allem: aus welchen Fakten der (Medien-)Welt wir für uns selbst lernen wollen, ja, was wir in unserem begrenzten sozialen Bereich davon umsetzen, ohne dabei den Blick über den gut gefüllten Tellerrand hinaus zu verlieren. Denn  gerade diesen möchten uns viele dieser Großmächte, Großkonzerne, Großkotze immer weiter verbauen, indem sie uns materielle Leckereien und Spielereien kredenzen, die viele weder ablehnen können noch wollen.

Bildergebnis für autokratien weltweit statistik

(Quelle und größere Ansicht: reporter-ohne-grenzen.de)

Aber keine Angst. Ich möchte nicht, dass wir unsere Gürtel enger schnallen, sondern dass wir mit dem, was uns hier und jetzt gegeben wird, etwas Sinnvolles anstellen, und zwar jeder Einzelne von uns. Mal subersiv sein, nur um zu sehen wie sich das anfühlt. Vielleicht auch einen Angeber veräppeln, der sich nur aufspielen möchte, weil er mehr Faktenwissen besitzt.

Sich auf höhere Mächte zu verlassen ist in diesem ganzen Zusammenhang nämlich, als verließe man sich auf den Wettergott – dieses treudoofe Herdentierverhalten führt gerade zu jenen Zuständen, die PolitikwissenschaftlerInnen beschreiben, wenn sie politische Systeme als unkontrollierbar darstellen, den Osten als großen Leviathan, der vom Westen her gezähmt werden müsse (Orwell lässt grüßen).

Denn in Wahrheit müssen wir alle ein bisschen gezähmt werden – täglich, stündlich und vor allem wenn Medien dabei sind.

Wir können uns nämlich nicht die herrschenden Prinzipien aussuchen, sondern nur lernen, sie in unserem Alltag zu nutzen und für unsere Argumente einzusetzen. Lohnenswerte Ziele gibt es genug (z. B. das Recht auf Wasser, auf Meinungsfreiheit und darauf, ernst genommen zu werden). Lassen wir nicht andere für uns bestimmen, in welchem (leider oftmals nur repetitiven) Maße diese Ideale zu unserer Befriedung in den Medien verbalisiert werden dürfen, bis aus ihnen Worthülsen und Machtinstrumente werden, die mit der Realität nichts mehr zu tun haben wollen. Denn vor dem Wort steht die Tat. Und wer Berge von Fakten schafft, verhindert damit, dass uns statt dessen Berge fauler Worte umgeben, die unsere Freiheiten Stück für Stück, medial wie intellektuell wegrationalisieren!

In diesem Sinne wünsche ich euch ein gutes, weiches Ankommen in der echten Welt!

Link zur Sendung, bei der mich die Idee für diesen Artikel beflügelte.

 

Hier noch einige Bibelzitate als Beleg und Herleitung:

Offenbarung 12:9
Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführt, und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen.

Offenbarung 12:15
Und die Schlange schoß nach dem Weibe aus ihrem Munde ein Wasser wie einen Strom, daß er sie ersäufte.

Offenbarung 20:7
Und wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der Satanas los werden aus seinem Gefängnis …

Offenbarung 9:11
Und hatten über sich einen König, den Engel des Abgrunds, des Name heißt auf hebräisch Abaddon, und auf griechisch hat er den Namen Apollyon.

Offenbarung 12:9,13,15,17
Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführt, und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen …

Offenbarung 13:2,4
Und das Tier, daß ich sah, war gleich einem Parder und seine Füße wie Bärenfüße und sein Mund wie eines Löwen Mund. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Stuhl und große Macht …“