Klassische Musik

Meinen Zugang zur Klassik fand ich, wie andere auch, über bekannte Passagen, Chöre, Symphonien. Bestimmte Stücke wurden in Film, Funk und Fernsehen immer wieder verwendet, so dass ich irgendwann mit 16 Jahren anfing zu recherchieren, wer dahinter steckte. Einer der ersten Komponisten, den ich auf diese Art für mich entdeckte, war Richard Strauss („Also sprach Zarathustra“).

Natürlich waren mir auch die Symphonien Beethovens nicht unbekannt. Auch Tschaikowsky fand relativ früh seinen Platz in meiner Klassik-Sammlung (1. Klavierkonzert). Es sollten viele weitere hinzukommen …

Zunächst einmal musste ich aber meine diversen Jugendszenen durchleben, als da wären: Punk, Metal, Gothic, EBM und Techno.

Kurioserweise fand ich erst dann genug Zeit, mich intensiv mit dem Thema Klassik zu beschäftigen, als ich aus freien Stücken arbeitslos wurde (ich wollte damals mehr Zeit für meine Storys und Bücher). Neben dem Schreiben bildete ich mich auf vielerlei Weise kulturell weiter – ein Luxus, der den meisten Menschen nicht vergönnt ist, weil sie im 8-Stunden-Job eingebunden sind. Ich hatte also genug Zeit, schrieb, schaute künstlerisch wertvolle Filme und widmete mich der Klassik, die mehr und mehr Teil meines Lebens wurde (ich hatte vier große Boxen, plus: das Mietshaus, in dem ich lebte, gehörte meinen Eltern, plus: ich drehte immer voll auf).

Bald wurde ich Mitglied der Dortmunder Stadt- und Landesbibliothek und entlieh dort alles, was mir irgendwie interessant erschien. Die Bibliothek verfügte schon damals über ein sehr umfangreiches und qualitativ hochwertiges Klassik-Segment.

So lernte ich italienische Meister wie Verdi, Rossini, Mascagni näher kennen – auch viele französische Komponisten, z. B. Bizet, Auber, Ravel oder d’Albert. Und natürlich durften die Deutschen nicht fehlen, allen voran Mahler, Brahms, Beethoven, Bruckner und Orff. Aber im Laufe der Zeit machte ich eine neue Entdeckung, die mich sofort faszinierte: russische Klassik.

Ja, ich lernte die russische Seele kennen und lieben. Dieses mystisch-melancholisch-gewaltige Aneinanderreihen von scheinbaren Dissonanzen, die erst im Gesamtbild einzigartige musikalische Portraits ergaben – genial! Natürlich ist der Einfluss des Sozialistischen Realismus bei vielen Werken deutlich erkennbar. Aber Komponisten wie Prokofiev, Schostakowitsch oder Rimsy-Korsakov verstanden es, diesen derart zu interpretieren, dass ihre Werke weniger vom Sozialismus als von der „gesamten“ Russischen Seele durchdrungen waren. Ich kann nur empfehlen, sich einmal näher mit diesen Werken zu befassen – natürlich gehören hierzu auch Schöpfungen von Borodin, Rachmaninov oder Rubinstein. Besonders beeindruckend fand ich „Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesh“ von Rimsky-Korsakov.

Diese Oper beginnt sehr düster und getragen, um dann gegen Ende des ersten Aktes in derart zauberhafte Melodien und Chöre hineinzugleiten, dass einem das Herz aufgeht. Und genau das ist für mich Russland: hart und weich, erbarmungslos und herzzerreißend zugleich!

Viele, viele Kompositionen kamen hinzu, die ich alle fein säuberlich digitalisiert auf meiner Festplatte gespeichert habe. Im Laufe der Zeit werde ich hier immer wieder ein paar davon vorstellen.

Ich hoffe, ihr konntet einen kurzen Überblick darüber gewinnen, was mich an russischer Klassik so begeistert. Und vielleicht habt ihr ja Lust bekommen, das eine oder andere Werk zu erkunden …