Up

 

Ah … die Planets. Der Spaß kann losgehen. Die Senso-Schaltung blinkt auf – viel zu hohe Geschwindigkeit zeigt sie an, und: ich darf nicht im ersten Gang mit dreihundert fliegen. Nein, ich darf nicht – aber ich kann. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Besonders, wenn man up ist. Gutes Zeug. Macht dich schneller, und gescheiter. Dreihundertfünfzig. Gleich explodiert der Motor. Okay, okay. Soviel Verstand besitze ich ja wohl noch, dass ich weiß, wann’s genug ist. Bloß keine Panik. Zweiter Gang. Immer noch lautes Dröhnen, aber längst nicht mehr so gefährlich. Irgendwo wird aufgeatmet. Als ob alle Shuttles um mich herum aufatmen. Weichei.

Macht schneller und gescheiter.

Nicht wie Speed, wo du total wegtrittst und nichts mehr peilst. Das Zeug macht dich alle und weg, ich sag’s dir. Wenn du up bist, hast du schon die halbe Wette gewonnen.

Roter Schwebe-Illuminator. Diese Dinger hasse ich. Und noch mehr die Bullerei, die bei den Rotlichtern rumhängt. Sonst hätte ich auch einfach drüberfahren können. Aber nein – wir sind ja im Promiviertel. Rotlicht. Autorisation. Von hinten wird mir einer dieser ultracoolen Pässe gereicht, den nur die Reichsten der Reichen bekommen. Alles okay. Der Bulle hat den komischen Flash in meinen Augen nicht bemerkt. Glück gehabt. Weiterfahren.

“… and when you’re up, you’re gonna be so out and full of control …” Die Planets. Wirklich, die beste Band der Welt. Wie die ihre Messages rüberbringen, total einmalig. Klingt überhaupt nicht nach Pseudo-Mache. Die wissen, wovon die reden, kannste mir glauben. Macht dann eins fuffzig. Klingelbeutel. Mal gucken, wie viel der fette Sack aufbringt für ‘nen armen Taxifahrer. Drei Credits Trinkgeld? Hey, danke Mann. Werd’ Sie weiter empfehlen.

Der Sack wälzt sich raus. Kann weitergehen.

Der Motor heult auf. Ich seh’ noch, wie der Fettsack von den Planets sich umdreht – totale Angst hat den zerfressen auf der Fahrt, ich glaub’s nicht. Mann, ich sag’s dir, der hat mir das voll abgekauft, dass ich ihn noch nie gesehen hab’. Dabei ist der so bekannt wie ‘ne frigide Hure. Der und seine Band, diese beschissenen Planets. Na ja, was soll’s. Solange mein Trinkgeld stimmt …

Los geht’s. Erster Gang, dreihundert. Dreihunderfünfzig. Mann, was sollen diese Kinderspielchen? Vierhundert. Damit kannste verschreckte Passagiere ärgern, aber keinen Taxifahrer. Lass mal den Meister ran. Fünfhundert. Sechshundert. Aufheulendes Getriebe. Ja, so muss das. Zweiter Gang. Ha! Das geht ab.

Macht dich alle und weg.

Ich sag’s dir – das Zeug knallt, aber richtig. Rotlicht? Einfach ignorieren, Mann. Das Zeug macht farbenblind. Und die Bullen tun eh nichts, wenn du keinen Promi an Bord hast. Mann, war das ‘ne Krampe. Echter Wichtigtuer. Aber denen kannste das Geld noch am ehesten aus der Tasche ziehen.

Anhalten. Da vorne wartet einer. Schon wieder so’n Typ. Der Sänger von den Smashers, glaub’ ich. Mann, die laufen ja wie die Fliegen rum.

Zähler einstellen, Tür auf. Wo willste hin? Was? Okay, okay – ich mach’s aus. Alles klar, Mann. Wird gemacht. Locker, immer locker. Wohin willste denn überhaupt? Rude box? Ist aber nicht billig …

 

487 Wörter, © Sven Klöpping (fictionality@web.de)